Barfen

Barfen beim Hund

Stehst Du manchmal vor den übervollen Regalen der Zoohandlung und überlegst: Welches Futter ist für den geliebten Vierbeiner das Beste? Die bunte Reklame verspricht auf jeder Verpackung nur die wertvollsten Inhaltsstoffe. Warum aber hat mein Hund eine Futtermittel-Allergie oder häufig Durchfall?

Eine Alternative zu Trocken- und Fertigfutter ist Barfen. Es gibt Hundehaltern die Möglichkeit, vom 'Dosenöffner' zum Sternekoch für das Haustier zu werden. 

Barfen - Was ist das?

Fast alle Hundehalter haben davon gehört, aber was bedeutet das Wort BRAF? Der Begriff kommt aus dem Englischen. Drei Interpretationen behaupten von sich, die ursprüngliche zu sein.

Sicher ist, dass die mit dem Begriff verbundene Fütterungs-Methode von der Kanadierin Debbie Tripp stammt. Der deutsche Begriff ist eindeutig und erläutert das Wesen der Sache: Biologisch artgerechte Roh-Fütterung.

Barfen ist eine artgerechte Ernährungsart von Haustieren, die von fleischfressenden Wildtieren abstammen. Sie wurde speziell für Hunde entwickelt. Inzwischen freuen sich auch Katzen über eine zünftige Barf-Mahlzeit.

Beim Barfen erhält das Tier Rohkost in ausgewogenen Bestandteilen. Fleisch, Obst, Gemüse und Salat gehören ebenso in den Napf wie Knochen, Eier, Öl und Mineralstoffe. 80 Prozent vom Barf Futter macht Frischfleisch aus, 20 Prozent bleibt pflanzlichen Anteilen vorbehalten.

Fünf gute Gründe, um mit dem Hund zu Barfen

  1. Hauptgrund ist die Zusammensetzung herkömmlichen Hundefutters. Getreide ist ein guter Eiweißlieferant und wird als billiger Ersatz für Fleisch verwendet. Es bildet den Hauptbestandteil fast aller Trockenfutter-Arten. Bei einigen Sorten ist der Getreideanteil höher als 75 Prozent. Selbst hochwertige, ausgewogene Produkte können dieses Manko nicht wettmachen.
    Die Verdauungsorgane des Hundes sind durch seine Abstammung vom Wolf nicht für die Verarbeitung von Getreide vorgesehen. Kein Wolfsrudel fällt über ein Weizenfeld her. Haushunde sind von Natur aus Fleischfresser und können nicht dauerhaft mit Ersatz-Stoffen ernährt werden. Verantwortungsbewusste Hundehalter achten deshalb auf eine getreidefreie, natürliche Ernährung ihres Tieres.
  2. Futtermittel-Allergien und viele andere 'Zivilisations-Krankheiten' unserer Vierbeiner waren noch vor Jahren unbekannt. Inzwischen ist der Hundefutter-Markt hart umkämpft. Den Futtermischungen in Dosen werden oftmals Zucker, Konservierungsstoffe, sogar Geschmacksverstärker zugesetzt. Eine artgerechte Fütterung sieht anders aus.
    Das soll nicht heißen, dass es nicht sehr gesunde und ausgewogene Dosenfutter-Sorten für Hunde gibt.
  3. Der Geruch beim Öffnen von Dosenfutter wirft immer wieder die Frage auf: Was für ein Fleisch wurde hier verarbeitet? Die Hunde stehen auf 'intensive' Geschmacksnoten, der Halter allerdings hat berechtigte Zweifel. Bei Barf Hundefutter sind diese Sorgen überflüssig. Der Hundehalter kann die Mahlzeit für seinen Liebling selbst zubereiten.
  4. Hinsichtlich der Dosierung bietet Barfen ebenfalls Vorteile. Es muss nicht immer gleich eine ganze Dose sein. Die zubereitete Futtermenge kann haargenau auf Figur und Energiebedarf des Tieres abgestimmt werden. Hierzu stehen im Internet nützliche Barf Rechner zur Verfügung. Sie kalkulieren nicht nur die Menge, sondern auch die Zusammensetzung von Barf Futter.
    Generell sollte die Futtermenge zwei, höchstens drei Prozent vom Gewicht des Tieres betragen.
  5. Wenn Du beim Einkauf von Fleisch, Obst und Gemüse auf Sonderangebote achtest, ist Barfen mit dem Hund keineswegs teurer als andere hochwertige Futtermittel.

Ein Steak für den Hund?

Barfen mit dem Hund bedeutet keineswegs, nur Muskelfleisch zu verfüttern. Für eine wirklich ausgewogene Ernährung braucht das Haustier zusätzlich Innereien, Blut, Knochen und Knorpel. Was für den Menschen gilt, ist in diesem Falle auch für den Hund wichtig: Ab und an Fisch ist sehr gesund und liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren.

Barf Fleisch - Muskelfleisch

Muskelfleisch gehört unbedingt zum Barf Fleisch. Es liefert Eiweiße, Fette, Mineralien, Vitamine und Wasser.

  • Muskelfleisch vom Rind: Gulasch; Rinderschlund - besonders gut geeignet für das Barfen mit Welpen; Rinder-Maul und -Lefzen - damit Theo lange was zum Beißen hat. Rinderzunge und -herz gehören zu den Innereien, bestehen jedoch aus für das Barfen wertvollem Muskelfleisch. Kalbfleisch ist ein empfehlenswerter Einstieg, um mit Welpen zu Barfen. 
  • Muskelfleisch vom Geflügel enthält lebensnotwendige Fettsäuren. Keine Angst vor der Fütterung von rohem Hähnchen- oder Putenfleisch. Für Hunde und Katzen besteht keine Gefahr einer Salmonellen-Vergiftung. Dafür ist Geflügelfleisch sehr mager und sehr gut zum Barfen mit übergewichtigen Hunden geeignet.
  • Muskelfleisch vom Lamm ist hervorragendes Barf Hundefutter für Allergiker.
  • Muskelfleisch vom Pferd ist nicht so eiweißreich wie Rindfleisch, wird aber sehr gut verdaulich. Es wird auch von Hunden, die nicht alle Nahrungsmittel vertragen, gut angenommen.

Auf die Fütterung von rohem Schweinefleisch solltest Du in jedem Fall verzichten. Es kann Krankheitserreger enthalten, die zum Tod des Hundes führen.

Barf Fleisch - Innereien

  • Rinder-, Pferde- oder Hirsch-Leber ist reich an Vitamin A und B, Kupfer, Eisen und Biotin. Sie enthält allerdings auch viel tierische Stärke und sollte deshalb maßvoll beim Barfen eingesetzt werden. An Überangebot an Vitamin A kann zudem zu gesundheitlichen Schäden führen.
  • Rinder-Niere enthält viel Eiweiß, kann jedoch bei übermäßiger Fütterung Durchfälle zur Folge haben.
  • Rinder-Lunge ist fettarm und voluminös, daher ein idealer Futterzusatz bei übergewichtigen Hunden.
  • Rinder-Euter bietet viel Fett und Calcium. Hervorragend geeignet zum Barfen mit Welpen oder zur Kräftigung kranker Tiere.
  • Grüner Pansen, weißer Pansen und Blättermagen sind für Barf Hundefutter besonders wertvoll. Sie enthalten bereits vorverdautes Grünfutter der Wiederkäuer und sind besonders vitaminreich. Wahrer Hundeliebe kann auch der gewöhnungsbedürftige strenge Geruch nichts anhaben. 

Beim Fleischeinkauf kannst Du auf Frostfutter zurückgreifen oder beim Mezger nach günstigem Fleisch und Innereien fragen. Frischfleisch sollte stets Lebensmittelqualität haben.

Fisch und Meeresfrüchte

Wer behauptet, Hunde mögen keinen Fisch, kennt seinen Vierbeiner schlecht. Ein- bis zweimal in der Woche Fisch sorgt für die lebensnotwendigen Omega-3-Fettsäuren, Jod und Vitamine.

Geeignet zum Barfen sind fast alle Arten von Weiß-Fisch, Lachs und Meeresfrüchte. Fisch- oder Grünlipp-Öl leistet die gleichen Dienste und ist besonders gut fürs Fell. Dein Hund liebt auch seine getrockneten Sprotten über alles.

Knochen

Knochen gehören unbedingt zum Barf Futter. Sie versorgen den Hund mit Eisen, Fett, Calcium und Mineralien. Außerdem dienen sie der Zahnpflege und beugen Zahnstein vor.

Wichtig: Knochen solltest Du unbedingt roh verfüttern. Durch das Kochen verändern sie ihre Struktur und können splittern. Das kann zu erheblichen Verletzungen führen.

Frostfutter

Kein Menü ohne leckere Beilagen

Zum Barfen gehören neben Frischfleisch 20 Prozent Obst und Gemüse. Pflanzliche Rohkost solltest Du jedoch unbedingt vor dem Füttern pürieren. Hunde können pflanzliche Zellen nicht aufspalten. Bei einer Fütterung im Stück würden ihnen die wertvollen Vitamine und Mineralstoffe entgehen.

Zum Barfen mit dem Hund eignen sich fast alle gängigen Obst- und Gemüse-Sorten.

Ausnahmen bilden:

  • Zwiebeln
  • alle Arten von Lauch
  • alle Nachtschattengewächse wie Paprika, Tomate, Aubergine und rohe Kartoffeln; gekochte Kartoffeln werden gut vertragen.
  • Hülsenfrüchte
  • Weintrauben und Rosinen. 

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass Schokolade, Kakao und Süßigkeiten auf keinen Fall in den Hundenapf gehören.

Milchprodukte bieten eine willkommene Abwechslung, wenn Du mit dem Hund Barfen möchtest. Vergorene Milchprodukte wie Hüttenkäse, Joghurt oder Quark werden von Hunden gut vertragen und sind wegen ihres Eiweißgehaltes obendrein gesund.

Besonders empfehlenswert, um mit Welpen zu Barfen. Es ist jedoch maßhalten gefragt: Vergorene Milchprodukte stopfen.

Ein Plus an Vitaminen liefert ein rohes Eigelb, dass Du unter das Futter mischen kannst. Vorsicht ist bei Eiweiß geboten. Es bindet Biotin im Darm des Tieres, was zu Mangelerscheinungen führen kann. 

Schließlich gehört ein Zusatz von Öl zum ausgewogenem Barf Futter. Es holt die fettlöslichen Vitamine aus den grünen Futtermitteln und versorgt den Hund mit wichtigen Fettsäuren.

Frostfutter und Fertigbarf - Barfen leicht gemacht

Dir erscheint das Barfen mit dem Hund zu kompliziert? Der Fachhandel erleichtert Dir und Deinem Vierbeiner den Umstieg. Dort werden Frostfutter und komplette Barf Menüs, sogenanntes Fertigbarf angeboten.

Fertigbarf wird gefroren angeboten und enthält neben der richtigen Fleisch-Mischung auch Gemüse, Obst, Mineralstoffe und Öl. Lediglich eine angemessene Gabe an rohen Knochen muss der Hundehalter zusätzlich bereithalten. Fertigbarf ist für erwachsene Tiere, Senioren und Welpen erhältlich, für jede Altersgruppe im passenden Mischungsverhältnis.

Ein weiterer Vorteil von Fertigbarf ist die einfache Portionierung. Je nach Größe Deines Vierbeiners kannst die Mahlzeiten von einem Pfund bis zu Nuggets für kleine Rassen erwerben. Kleinere Portionen haben den Vorteil, dass der Hundehalter auf Gewichtsveränderungen des Tieres durch die Umstellung aufs Barfen unkompliziert und schnell reagieren kann.

Frostfutter enthält lediglich die Fleischration des Hundes. Obst, Gemüse, Mineralstoff-Mischung und Öl müssen vom Besitzer nach dem Auftauen untergemischt werden. Auch hierfür sind im Zoohandel fertige Mischungen in breiter Palette verfügbar.

Frostfutter wird als sowohl als reines Muskelfleisch oder in ausgewogener Mischung mit Innereien wie Pansen, Lunge, Herz sowie mit Blut angeboten. Es ist ebenfalls portioniert.

Schließlich sind pures Fleisch und Gemüse auch in - sicher sehr hochwertigen - Konserven im Angebot. Ob die Dosen dem gleichen Anspruch gerecht werden wie Frischfleisch oder Frostfutter, muss jeder Hundebesitzer selbst entscheiden.

Der Umstieg auf Barf Hundefutter

Die Erfahrung lehrt, der Umstieg aufs Barfen verläuft bei fast allen Hunden problemlos. Am Anfang ist es ratsam, das gewohnte Futter mit einem täglich wachsenden Anteil Barf Futter zu vermengen.

Einem gesunden, nicht zu alten Hund schadet es zwar nicht, abrupt umzustellen. Ist bei mäkligen Fressern jedoch erst einmal Misstrauen geweckt, wird es schwer, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Für Barf Neulinge ist eine Mischung mit Geflügel besonders gut geeignet, da sie leicht verdaulich ist.

Bei auftretenden Problemen solltest Du jedoch in jedem Fall den Tierarzt um Rat bitten.

Es hat sich bewährt, bei ausgewachsenen Hunden großer Rassen die Tagesration an Barf Futter auf zwei Mahlzeiten aufzuteilen. Wenn Welpen Barfen, sollten es - je nach Alter - drei bis fünf kleine Mahlzeiten sein.
Nicht wundern: der Kot von Hunden, die Barfen, ist härter und dunkler als bei herkömmlichem Futter.

Tipp: Hunde, die rohes Fleisch anfangs ablehnen, finden das Futter mit etwas Fleischbrühe viel leckerer.

Barfen Hund

Barfen mit Welpen

Bereits im Alter von neun Wochen kann das Hunde-Baby an die Frischfleisch-Fütterung gewöhnt werden. Wenn Du mit einem Welpen Barfen möchtest, gilt es allerdings, einige Besonderheiten zu beachten. Welpen benötigen eine größere Menge an Futter als erwachsene Hunde.

Der Richtwert für die Futtermenge liegt zwischen vier und acht Prozent des Körpergewichtes. Fertigbarf für Welpen, auch als Frostfutter erhältlich, erleichtert dem Welpen-Besitzer die Fütterung. Durch die Verwendung von Euter und Knorpel ist es auf den hohen Calcium-Bedarf des Kleinen komplett ausgerichtet.

Gibt es spezielle Barf Leckerli?

Um einträchtig mit dem Hund Barfen zu können und zur Hundeerziehung ist die Frage nach Barf Leckerli wichtig. Theos Sprotten wurden bereits erwähnt. Aber welcher Hundebesitzer steckt sich gern Sprotten beim Gassigehen in die Hosentasche?

Zum Glück gibt es viele weitere Produkte wie getrocknetes Muskelfleisch von Rind, Wild und Geflügel. Empfehlenswert sind auch getreidefreie Produkte. Neben Obst enthalten sie getrocknetes Muskelfleisch als alleinige Eiweißquelle.

Risiken und Nachteile von Barfen mit dem Hund

Risiken und Nachteile von Barf Hundefutter sollen nicht verschwiegen werden. Nur so kann der verantwortungsbewusste Hundehalter ihnen entgegenwirken.

  • Wird das optimale Mischungsverhältnis nicht sorgsam beachtet, kann es zur Mangelernährung des Tieres kommen.
  • Im Urlaub kann Barfen zum Problem werden, wenn Kühlschrank und vertrauenswürdiger Schlachter fehlen. Hier hat sich für die kurze Zeit des Urlaubs Fertigbarf in Dosen oder naturbelassenes Trockenfutter bewährt.
  • Die Menge der Knochengaben benötigt besondere Beachtung. Bei einem Überangebot kann sich der beim Barfen ohnehin festere Kot in gefährlichen 'Knochenkot' verwandeln.
  • Der Besitzer muss der Ernährung seines Haustieres mehr Zeit und größere Aufmerksamkeit widmen als bei herkömmlicher Fertig-Nahrung.

Fazit

Wenn die Spielregeln beachtet werden, ist Barfen eine artgerechte und zeitgemäße Form der Hundeernährung. Schließlich achten auch wir Menschen auf gesundes und natürliches Essen. Den Mehraufwand an Zeit und Aufmerksamkeit sind die geliebten Vierbeiner allemal wert. Dein Hund wird es dir mit guter Gesundheit, einem langen Leben, ausgelassenem Spiel und freudigem Schwanzwedeln danken.

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